Open-Mike-Finale 2013

Cover_Anthologie_Open_Mike_2013Vielleicht ist es tatsächlich so, wie es Thomas Tebbe im Vorwort der Anthologie formuliert hat, dass es noch nie so schwierig war wie heute zu schreiben. Zumindest aus meiner Sicht sind es die sprachlichen Hürden gegen die man anschreibt. Leben, Liebe, Freundschaft und Alltäglichkeiten können nicht immer wieder von Grund auf neu beschrieben werden, und wer daran denkt, dass vieles doch schon vorher so treffend auf den Punkt gebracht wurde und doch eigentlich schon alles gesagt wurde, der hat schon verloren.

Denn jedes Wort wurde schon einmal für irgendetwas genutzt, jede Geschichte schon erzählt und jedes Beziehungsdrama konstruiert. Und wer es trotzdem wagt und schreibt, der hat schon gewonnen. Natürlich können sie immer wieder neu erzählt werden, die Geschichten, die wir irgendwie kennen und doch wieder nicht, weil etwas an ihnen anders ist, eine Facette, eine Perspektive, ein Detail, eine Atmosphäre, eine Erzählstimme oder eine Figur, die da nicht hineinpassen will.

Und doch ist das Urteil über Literatur wie immer eine Frage der eigenen Wahrnehmung. Sprachlich und inhaltlich hat mich nicht jeder Text des diesjährigen Open Mike überzeugt und ich hätte mich, was die Prosa betrifft, anders als die Jury entschieden. Es gab Texte, da fiel mir das Zuhören schwer: Beschreibungen, die meine Gedanken in einen Irrgarten schickten, Handlung, die unter der schweren Decke der Sprache bei mir gar nicht erst sichtbar wurde. Deshalb habe ich alle Texte später nachgelesen – meistens blieb mein Eindruck der gleiche; für andere Texte war es gut, ihnen durch das eigene Lesen mehr Raum zu geben als sie in den 15 Minuten auf der Bühne hatten.

Finale_Open_Mike_2013

Dennoch gab es diese Texte, die etwas in mir ausgelöst haben, denen ich gerne zugehört habe und für die ich mich freue, dass der Open Mike ihnen eine Stimme gegeben hat.

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3 Antworten zu “Open-Mike-Finale 2013

    • Schön, dass du die Berichte immer wieder mitverfolgst, und danke für das Kompliment!
      Die Artikel des Feuilletons halte ich auch diesmal für zu kritisch. Schon letztes Jahr haben die Zeitungen das Fehlen politischer und gesellschaftlicher Themen bemängelt, doch diesen Maßstab kann ich bei Nachwuchsautoren nicht ausschließlich anlegen; den sprachlichen schon eher, und da war das Niveau in diesem Jahr niedriger als beim Open Mike 2012. Wenn ich die Kritiken durchgearbeitet habe, habe ich einen Gegenartikel geplant, weil mich diese Haltung der Literaturkritiker ärgert und ich mich als ehemalige Teilnehmerin damit natürlich angesprochen fühle und die Seite der Schreibenden darstellen möchte.

      • Ich lese eigentlich nur die Presseartikel dazu, die mir zufällig begegnen, weshalb ich nicht für alle Medien sprechen kann. Aber die „Zeit“ hatte schon beim letzten Mal sehr negativ berichtet, daran erinner ich mich auch noch.

        Was den Mangel an politischen und gesellschaftlichen Themen betrifft, finde ich die Kritik aber auch überzogen. Denn auch jenseits der Poetry Slams findet sich nicht nur politische/gesellschaftskritische Literatur. Doch ein politisches oder gesellschaftliches Thema zu behandeln, macht einen Text nicht automatisch gut – andersherum gibt es auch viele gute Texte ohne derartige Themen. Letzlich ist doch nur wichtig, was ein Autor aus seiner Idee macht – ob diese schriftstellerisch gut umgesetzt ist und das Publikum „erreicht“. Daher verstehe ich deine Kritik an der Feuilleton-Kritik sehr gut. Ich hoffe nur, dass du oder andere (zukünftige) Teilnehmer durch solche negative Presse nicht allzu sehr demotiviert werden.

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