Vom Mut, trotzdem zu schreiben

Der Open Mike hat mich im Nachhinein eingeschüchtert und mir die Kraft genommen. Nicht, weil ich nicht gewonnen habe, sondern weil ich die Presseartikel und die oftmals einstimmigen Kritiken gelesen habe. Vor allem, wie die Themen und Inhalte der Finalistentexte kritisiert wurden… Bezeichnungen wie „20-m2-Jahrgang“ haben mich da schon sehr getroffen. Damit wächst das Gefühl in mir, dass ich über nichts anderes schreiben kann… Dass ich doch immer bei denselben Themen ankomme.

Zweifel gehören dazu, aber noch nie waren sie so groß, und natürlich ist es immer schwer, etwas von sich der Kritik auszusetzen. Mir kam sogar nachts der Gedanke, mit dem Schreiben aufzuhören. Keine Zeile mehr schreiben, sich keine Gedanken mehr machen müssen. Wozu sich das alles antun und sich selbst unter Druck setzen?

Aber ich würde es ja doch nicht schaffen, ohne das Schreiben auszukommen. Ich wollte sogar den Open-Mike-Workshop im Februar absagen, weil ich meine Texte nicht sezieren lassen will und weil ich nicht wusste, welchen Text ich überhaupt dafür einreichen sollte.

Ich habe doch noch zugesagt, weil es eine Chance ist, die ich nicht verpassen darf. Ich habe doch noch einen Text gefunden, den ich wirklich gerne bearbeiten würde. Ich habe mich wieder an mein Exposé erinnert, mein Exposé ohne eine Zeile Textprobe, dafür mit einer Idee, die ich seit sieben Jahren mit mir herumtrage und aus der sich das entwickelt hat, was ich heute gelesen habe. Eine Geschichte, die ich zu Papier bringen will.

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9 Antworten zu “Vom Mut, trotzdem zu schreiben

  1. Nimm dir die Kritiken nicht zu sehr zu Herzen. Natürlich gibt es immer auch berechtigte Kritiken, viele sind aber – auch im angeblich objektiven Journalismus – reine Meinungsäußerungen. Und dass der Geschmack der Feuilletonisten nicht immer dem Geschmack der allgemeinen Leserschaft entspricht, ist auch nichts Unbekanntes mehr. Es gibt einfach Leute, die immer etwas zu Bemängeln haben – ist nichts offensichtliches dabei, wird nach etwas gesucht. Mein persönlicher Eindruck ist zudem, dass gerade Nachwuchsschriftsteller bzw. jeder, der noch keinen finanziellen Erfolg verbuchen kann oder keine andere außergewöhnliche Karriere nachzuweisen hat, grundsätzlich erst einmal spöttisch begutachtet wird.

    Daher, lass dir nicht den Mut und vor allem nicht den Spaß am Schreiben nehmen! Mach weiter – egal, was die Presse über solche Events sagt. Abgesehen davon halte ich solche Events allein deshalb für wichtig, damit angehende Autoren einerseits direktes Feedback (nicht in Form von Presse,sondern durch das Publikum) erfahren und sich auch präsentieren können.

  2. Nichts ist enttäuschender als eine zu lange gelebte Enttäuschung. Und nichts ist aufregender, als der eigenen Stimme zu folgen …. (frei zitiert nach mir 🙂 ) In diesem Sinne: „Walk with head high and unashamed.

    Gruss und schönes Wochenende (Mit dem Kopf in der nächsten Geschichte)

    Achim

    • Danke 🙂 Dein Zitat gefällt mir wirklich gut. Mir hat bereits geholfen, diesen Blogartikel zu schreiben und einmal in Worte zu fassen, was in mir vorgeht. Mittlerweile habe ich zwei Seiten für mein aktuelles Projekt geschrieben und werde immer weiter daran schreiben.

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