Übung aus der Schreibwerkstatt

Die Bäume verloren ihre Blätter – Gelb, Orange, Braun. Rot wie ihr Mantel, den sie an diesem Tag trug. Ich lief neben ihr her und sah zu, wie sie die Hände zu Fäusten ballte und dann in ihre Manteltaschen schob. Haarsträhnen fielen ihr ins Gesicht und berührten ihre Lippen.

Es war schwer, mit ihr zu sprechen; das Gespräch aufrecht zu erhalten. Meistens brach ihre Stimme ab und ich stellte keine weiteren Fragen.

„Wir müssen umkehren“, sagte sie.

„Ja.“

Ich drehte mich um – Die Lichtung, die wir heraufgegangen waren, lag im Nebel.

„Wann fährt dein Zug?“, fragte ich, obwohl ich keine Fragen mehr stellen wollte.

„Ich erwische ihn noch“, sagte sie und lief hinter mir her.

Unter unseren Schuhen knacksten kleine Äste. In Gedanken hörte ich die Melodie ihres Lieblingsliedes. Ob wir es jemals wieder zusammen hören würden, wusste ich nicht. Zumindest nicht nach heute.

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3 Antworten zu “Übung aus der Schreibwerkstatt

  1. Pingback: Ankündigung: Lesung am 16. Mai « Literarischer Alltag·

    • Danke 🙂 Wir bekamen verschiedene Romananfänge, die wir zunächst auf ihren Schreibstil hin kurz analysiert und beschrieben haben. Danach sollten wir uns den Anfang aussuchen, der uns am besten gefallen hat, und einen Text in der gleichen Stilistik zu schreiben. Ich habe mich dabei an Haruki Murakami – Naokos Lächeln orientiert 🙂

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